Das war die "Abschlussfahrt 2012" der Mopetisten nach Wismar 

Foto: Ziel (fast) erreicht! Zur Stärkung gibt es am Ostsesstrand  vom "Philosophen" ein winziges Schlückchen. Der "Bartisch" könnte fast eine alte Bombe gewesen sein..Schnapsbombe

Wat mut, dat mut! So dachten sich die Mopetisten, als sie kurz vor Anfang November in den frühen Morgenstunden bei Minus 6 Grad ihre Böcke bestiegen. Bis zu 5 Lagen Kleidung unter dem Schutzanzug, dicke Handschuhe – und beheizbare Griffe. Das sollte bei der Kälte  eigentlich genügen, dachten sie.  „Saison-Abschlussfahrt 2012“ lautete die Devise dieser wohl letzten gemeinsamen Tour in 2012. Ziel der meist rund um Flensburg ihr Unwesen treibenden Mopetisten war mal nicht Norwegen, wie zuletzt noch im August. Nein, es ging in den Osten der Republik. Die bummelig 200 km entfernte alte Ostsee-Hansestadt Wismar in Mecklenburg-Vorpommern war das Ziel. Und natürlich sollten die Autobahnen wo immer möglich gemieden werden. Herbstliche, idyllische  Landstraßen, kaum bekannte, verschlafene  Dörfer und Kleinstädte sowie nette Pausenstationen mit noch netteren Bäckerei-Fachverkäuferinnen wollten die drei Mopetisten in dieser zweitägigen Tour „erfahren“.

Bei Saukälte - aber strahlendem Sonnenschein starteten der „Kurvengott“ sowie der „Norwegische Elektriker“ mit ihren Kawa Versys 650  im allerhöchsten deutschen Norden. Der „Tenerist“ musste leider absagen, lag doch sein Bike in ca. 147 Einzelteile zerlegt im Carport. Er suchte noch nach Einzelteil 148, vermutlich versteckt  im Motor. Und so blieb nur noch, den zum Hamburger mutierten Westerländer, den „Philosophen“, nach 85minütiger Fahrt irgendwo bei Trappenkamp im Holsteinischen aufzugabeln (was auch fast auf Anhieb gelang).

 Da! Dort stand  der lange Lulatsch mit seiner betagten Africa Twin am Waldesrand, ganz in der Nähe einer heruntergekommenen Pommes-Bude. Unter seinem Hintern  als „Satteldecke“ ein leuchtend helles,  wärmendes Schafsfell!! Keine Frage: Der Mann hat Stil. Trapper Geierschnabel in Trappenkamp!

Es konnte eigentlich weitergehen. Doch zunächst mussten die etwas steif daherkommenden Mopetisten das nächste Stand-Cafe mit besagten Fachverkäuferinnen aufsuchen. Trotz Schutzkleidung und Griffheizung war Wärme-Tanken dringend angesagt! Auch, wenn das Bord-Thermometer inzwischen brüllende 0 Grad verkündete.

Übrigens: Biken, Frost und Straßen! So ganz passt das ja nicht zusammen. Bei Glätte hat ein Bike eigentlich nichts auf unseren Straßen zu suchen. Doch jetzt handelte es sich um eine echt trockene Frostkälte, die Straßen waren fast alle absolut trocken. Aufpassen heißt es natürlich trotzdem, auch beim Herbstlaub. Das ist ja  oft heimtückischer als Glatteis. Na ja, und Schneefall war eigentlich auch nicht vorhergesagt worden…

Die drei Motoren brüllten auf – und los ging es mit Zwischenziel Holsteinische Schweiz. Am südlichen Ausläufer des Plöner Sees sollte Station gemacht werden. So wollten es die Mopetisten haben:  Phantastische kleine Landstraßen mit ebenso phantastischen Kurven und uralten Straßenbäumen führten durch herbstliche Wälder und abgeerntete Felder an den Plöner See. Verkehr? Fehlanzeige, die Straßen gehörten uns! In Bosau dann führte uns der „Philosoph“ zielsicher zu einem guten und preisgünstigen Lokal direkt am See. Suuuper-Bauernfrühstück. Das kam gut zur Mittagszeit. Aufgewärmt ging es weiter Richtung Ostsee, Timmendorfer Strand. Da! Ostsee in Sicht!!! Dann weiter nach Travemünde. Ein Highlite dort für uns: Die Fähre über die Trave rüber zum Priwall. Dort verlief ja bis zum Fall der Mauer der Eiserne Vorhang. Damals links der dicht von Badegästen belagerte Sommerstrand vom Privall – und  hinter dem hohen Metall-Zaun die DDR und ein endloser, menschenleerer Edelstrand. Kaum zu sehen die schwer bewaffneten Vopos. Das war vor rund 25 Jahren…

Und weiter ging es über wunderschöne, mit alten Bäumen bestandene Alleen durch Mecklenburg. Diese Straßen hier sind schon einmalig. Unglaublich die herbstliche Farbenpracht! Zielsicher ging es Richtung Klütz und Ostsee. Dort noch  schnell ein Abstecher an den tollen Ostseestrand. Natürlich nix los hier zu dieser Jahreszeit. Wunderschöner Strand, toller Blick übers weite Meer. Eine gute Gelegenheit für den Philosophen, sein Bar-Täschlein zu zücken und für die durchgefrorenen Mopetisten ein klitzekleines, geistvolles Schlückchen in Mini-Metallgläser auszuschenken. Als „Bartisch“ diente übrigens ein verrosteter, im Sand steckender Stahlzylinder, der an eine WK II-Bombe erinnerte. „Bombenentschärfung“ mit Hochprozentigem.

Weiter ging es ins nur noch 30 km entfernte Wismar. Ganz schön groß die Gewerbe- und Neubaugebiete dieser eigentlich eher kleinen Stadt. Endlich stoßen wir in die Altstadt vor. Die verdient nur eine Bezeichnung: Phantastisch! Der historische Marktplatz der Hansestadt mit ihren uralten, prächtigen  Gebäuden. So etwas hat selbst Lübeck nicht! Wie reich muss diese Stadt mal gewesen sein! Das aber ist lange her. Auch die Tatsache, dass es hier einst über 100 Brauereien gegeben hat, wenn die alte Stadtgeschichte nicht übertreibt. Und  dazu die beeindruckenden Kirchen – oder das, was der Krieg von ihnen übriggelassen hat.

Wer abends dann ein gutes Essen haben möchte, der geht in das zünftige Brauhaus (so um die 600 Jahre alt). Soll es noch stilvoller (und etwas teurer) sein, der geht zum Alten Schweden. Diese beiden Traditionslokale haben wir an unserem Abend in Wismar „getestet“. Doch vermutlich bietet die Stadt noch viel mehr empfehlenswerte Lokale und Kneipen.

Sehenswert auch der Hafen. Besonders die Ecke, wo der alte Hafen mit dem Industriehafen zusammenkommt. Eine ganz eigene Welt.

Wo übernachten Biker? Natürlich in der Jugendherberge. Das taten wir dann auch in Wismark. War ganz ok.

Am nächsten Morgen hieß es erst einmal Eis kratzen! Ja, unsere Maschinen trugen einen Eispanzer. Das fanden wir gar nicht gut und hofften, dass die Straßen draußen nicht ähnlich aussahen. Vorsichtig wollten wir uns zunächst Richtung Ratzeburg orientieren. Doch noch in der Stadt kam der Beschluss, schnell noch mal rüber zur Insel Poel zu fahren. Gesagt, getan. Poel ist ganz nett, umgehauen hat uns die Insel nicht. Vielleicht haben wir uns nur zu wenig Zeit gelassen. Vertrieben hat uns auch eine dicke Wolkenwand über der Ostsee, aus der offenbar Schnee fiel.

Über verwunschene kleine Landstraßen ging es dann weiter Richtung Schwerin, dann Richtung Ratzeburg. Die Abzweiger hin zu kleinsten Dörfern bestanden oft aus Schotter! Die Fahrbahnen waren aber  ok, kein Eis. Und der Wolkenwand konnten wir davonfahren.

Jetzt hatte der Kurvengott die Führung übernommen. Die Region rund um Ratzeburg kannte er. Auch hier: Traumhafte Landstraßen durch traumhafte Landschaften. Und da! Achtung! Kurz vor Ratzeburg, also wieder in Schleswig-Holstein, kommt uns doch ein MOTORRADFAHRER entgegen!!! Heftig winken wir. Der erste Biker in zwei Tagen! Wir sind doch nicht allein…

Fotos extra in der Galerie 1 !!!

Servus, Euer Norweg.Elektriker

 

 

 

 

 

 

 

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