Saison-Abschlusstour 2014 - Elbe aufwärts - Elbe Hopping

 

Ein toller Anblick: Die Oberelbe beim Aussichtsturm  nördlich von Hitzacker.

 

Also, das war so . . . . . .

Getroffen haben wir uns - zwei Mopetisten fast aus DK, einer aus HH -  auf dem 1. Parkplatz "Dingens", direkt südlich des  Autobahnanschlusses Tremsbüttel auf der A21, ehem. B404. Auf der blieben wir auch und eilten über Schwarzenbek/Kollow/Gülzow/Kruzen nach Lauenburg. Dort war, so hatte das "Gremium" (hier nur ganz allein  Wenzel, sonst der "Norwegische Elektriker") zuvor schon beschlossen, eine Kaffeepause einzulegen. An der Elbe, nahe der Werft, fanden wir ein nettes Plätzchen, wo man uns bereitwillig eine kleine Stärkung (u.a. Riesendödel mit Pomms und Kaffee) gegen Entgelt überließ.

Nachdem wir damit abgeschlossen hatten waren wir bereit, die nächste Etappe in Angriff zu nehmen. - Eigentlich ging die Tour jetzt erst richtig los. -

Auf der B5 fuhren wir weiter Richtung Boizenburg, kurz danach weiter auf der B195, ab Teldau L052/L223/L244 die Elbstraße nach Stiepelse (über Neu Wendischthun).

 

Güldener Herbst hoch über der Oberelbe...

Wir nehmen nicht die Umgehung sondern fahren durch den Ortskern Boizenburg. Anfang der Neunziger bin ich hier das erste Mal gefahren - mit meinem Junior und per Fahrrad. Ein Unterschied wie Tag und Nacht. Besonders beeindruckt hatte uns damals die Landstraße nach Lauenburg: ausgefahren und eng, natürlich ohne Radweg und mit sehr starkem Lkw-Verkehr, der sich dicht an uns vorbei quetschte. Zudem bei Regen. Abenteuerlich.

 Poet (li) und Kurvengott stärken sich.

In der Räucherkate Stiepelse angekommen erfreuen wir uns an der direkten Flußlage und der Erfrischung, die wir einnehmen. Der Wirt mit seinem Team ist gut drauf und hat allerlei Kurzweiliges zu erzählen, aber auch von einem tödlichen Motorradunfall in der Nähe, der sich kurz zuvor in der Nähe zugetragen hatte.  Hier, direkt am Elbedeich, wäre die Beobachtung des Sonnenunterganges bei einem richtigen Krug Bier sicher ein Genuss gewesen. So aber fahren wir weiter ein Stückchen flussabwärts und setzen per Fähre nach Bleckede über. Die beiden Kawa-Treiber tanken dort. Als nächste Station und gleichzeitig als Übernachtungsort ist Hitzacker angedacht.

 

Die Straße ist zunächst nicht erwähnenswert - wird es aber, nachdem wir zur schwungvollen Elbuferstraße abgebogen sind. Die ersten Kilometer haben wir ein Verbotsschild ignoriert, das das Befahren von unsereins an Sa, So und feiertags verbietet. Schließlich fahren wir zurück und ersteigen bei der Gelegenheit den Aussichtsturm ein Stück nördlich von Hitzacker. Sommerliche Temperaturen und eine wunderschöne Aussicht über die Elbauen mit allerlei Getier neben und Wasserschwimmzeugen in der Elbe findet unsere volle Aufmerksamkeit. Übernachtung auf dem Turm im Schlafsack mit Köm und Rillo/Smoke wäre an diesem Tag geil gewesen!

 

Die JuHe Hitzacker liegt kurz nach dem nördlichen Ortsausgang an der K36 linker Hand. Recht hübsch, die Rezeption nett. Wir haben Glück: Ein 6-Zimmer ist noch frei. Wir bekommen Tipps bezüglich empfehlenswerter Gasthäuser und die Ansage mit auf den Weg, dass zw. 18.00 und 20.00 Uhr der Schalter unbesetzt ist - "Fußball gucken!" - Hier sind Menschen tätig, sehr sympathisch.

 

Die Speisung fand am schönen Elbedeich statt, auf den "Elbterrassen". Dort begeisterten uns Essen, Trinken, die Aussicht und die großen Gänseschwärme. Für den eiligen Abendbesuch eigentlich zu schade. Der Tagesabschluss hätte etwas beschaulicher sein können. Aber nach diesem dynamischen Tag war wohl die Luft raus. Also ging es nach ausgangsoffener Planung des folgenden Sonntags auf die Bude. Die Musikalen im Quartier (es fanden Proben einer Musikschule statt) sorgten zwar des Nachts für Schlafmangel bei Tom (sonst der "Kurvengott") und bei mir (Holger, sonst der "Poet"), aber sonst ging's. Das gute Frühstück am nächsten Morgen wischte dann jegliche Trägheitsüberbleibsel aus der kurzen Nacht hinfort. Munter packten wir unsere Maschinen und starteten bei besten Tourenwetter.

Der Eiserne Gustav!

Der Eiserne Biker  Gustav in Hitzacker

 

Vom Ort hatten wir nicht viel gesehen, weil wir zu spät angekommen waren, nach der Quartiernahme essen am Deich und bei Dunkelheit zurück zur JuHe. Sicher hätte der Ort mehr Aufmerksamkeit verdient gehabt (hätte, hätte - Fahrradkette, ha, ha). Kurz vor Verlassen der Stadt nahmen wir den Abschiedsgruß des eisernen Don Quijote (oder Gustav) wahr. Tolles Teil! Nachdem wir seine Technik gebührend bewundert hatten, zogen wir von dannen. In leichten Schwüngen wedelten wir nach Süden, Unsere siegreiche Einnahme der Baustellen-Festung in Prisser (bei Dannenberg)! - Wir überwanden erfolgreich eine Barriere, die man uns als Prüfung unserer Flexibilität entgegen gestellt hatte.

 

Die erste Pause auf Wunsch der Herren Wenzel und Tom findet bereits in Lüchow statt. Vor dem ansprechenden Café Bertram mit seiner beschaulichen Fassade. Auf dem sonnenbeschienenen Trottoir. Tass Kaff und lecker Stück Torte - das passt auch kurz dem Frühstück noch rein. Die Bürger sitzen in der Kirche, derweil die drei hohen Ritter von mächtiger Gestalt Wacht halten über den von Raubvolk begehrten Ort.

 

Nachdem nun auch die letzte Nische des Magens gefüllt ist, fahren wir auf Wunsch eines einzelnen Herrn weiter nach Woltersdorf, Walnüsse kaufen. Vor zwei Jahren war ich zufällig auf diesen lokalen Erzeuger aufmerksam geworden und auch diesmal waren noch reichlich Nüsse vorrätig. Schräg gegenüber auf der Tanke prüft ein jeder den Druck seiner Reifen. Das ist auch notwendig, denn von hier aus fahren wir in die 'Walachei', ehemaliges Niemandsland. Zig Jahre unterbrochen für den Durchgangsverkehr von Sachsen-Anhalt/DDR nach Niedersachsen. Auf der Strecke Arendsee - Gollendorf - Grenze - bewegen wir uns auf sehr historischem Boden. Kopfsteinpflaster mit Sommerwegen durch immer noch recht grüne Alleen. Der Rundung der Straßenoberfläche nach zu urteilen, könnte es sich noch um die Ursprünge alter Heerstraßen handeln. Traumhaft schön! Mit meinem Moped ist das Befahren natürlich kein Problem, die beiden Versys-Lenker spüren das unruhige Pflaster schon eher in Handgelenk und Sitzplateau. Die Strecke bietet, bei aller geforderten Achtsamkeit, nicht nur das pralle Fahrvergnügen sondern auch viele kleine Schönheiten am Wegesrand, so z.B. mehre eßtellergroße Pilze auf einer Weide nahe der Straße und ursprüngliche Katen.

 

An der ehem. "Königsbrücke" Kapern - Bömenzien halten wir inne und lassen die DDR-Geschichte auf uns wirken. Kurz vor dem Beginn Niedersachsen fahren wir auf dem Plattenweg rechts in die Wildnis. Allerlei Vögelei ist sichtbar und duftende Felder zu riechen auf dem Weg zum Grenzdenkmal Stresow. Dieses hat neben einem übervollen Mülleimer einiges an Aufklärung zu bieten. U.a. die Geschichte, dass von Stresow nichts mehr zu sehen ist, weil es zu dicht an der Grenze stand - so wurde es abgerissen, komlett. Statt dessen entstanden Grenzanlagen. Auch hier verweilen wir in Andacht.

 

Dann gilt es den letzten Abschnitt abzureiten mit Zwischenhalt in Wittenberge.

 

Immer noch begleitet uns die Sonne, als wir die Elbe im Verlauf der B 189 überqueren und damit einerseits Sachsen-Anhalt verlassen und andererseits Brandenburg mit unserer Anwesenheit erfreuen! Damit haben wir das Ziel, das sich Wenzel gesetzt hatte, nämlich auf unserer diesjährigen Saisonabschlusstour fünf Bundesländer unter die Räder zu nehmen, erreicht: S-H, M-V, Niedersachsen, S-A und Brandenburg. Und wieder haben wir einen Grund, eine Pause einzulegen. Das bisher Erlebte will besprochen, das Gesäß weicher sitzen, das Auge mal wieder in Ruhe in die Sonne blinzeln und der Körper als Ganzes gestärkt werden. Das alles soll uns auf der Terrasse eines Elblokales an der Elbe gelingen.

Wenzel und Tom erkämpfen sich einen gerade frei werdenden Tisch gegen eine große Anzahl an Mitbewerbern. Auch dieses Plätzchen ist bestens geeignet, die Seele baumeln zu lassen - bis zum Aufbruch geblasen wird zur Fahrt nach Ludwigslust, und zwar auf der B 195 zunächst nach Lenzen und von dort auf einem Überraschungs-Parcours in der Milower Walachei - ein feines schmales Asphaltband führt durch den Wald, der aber gut einsehbar ist und für Lützows wilde verwegene Jagd allerbest geeignet (etwas Waldfrevel, aber wer kann bei solchem Kurvenangebot widerstehen??). Schließlich erreichen wir LWL und hier das Schloss. Im dazugehörigen Café gönnen wir uns Kaffee mit'm Stück Torte (Marzipan Sahne!). Was als Pause gedacht war entpuppt sich als Ausklang unserer kleinen Reise. Wenzel schlägt nämlich vor, in Ludwigslust zu übernachten und prüft per Handy die Möglichkeiten. Mit Hilfe der Serviererin findet er eine Pension, die auch noch zufällig ein Dreibettzimmer frei hat. Wir trennen uns vom Schloss und nehmen Quartier. Danach besuchen wir noch mal die Flaniermeile, um einen schlanken Imbiss zu uns zu nehmen.

 

Gehörntes im Schloss-Cafe von LWL.

Während ich die Notizen noch mal durch lese, scheint es mir, wir hätten lediglich eine sehr lange Pause gemacht, unterbrochen nur von kurzen Motorradfahrten. Diese Fahrten aber waren sehr schön.

 

Stahlroß und Reiter beim Mittags-Nickerchen...

 

Der nächste Morgen beginnt mit dem Aufstehen, führt uns über das Badezimmer zum Frühstückstisch unserer freundlichen Wirtsleute und schließlich uns in die Sättel. Nach einem kurzen Abstecher in die neue Innenstadt heißt es Abschied nehmen. Tom und Wenzel nehmen die Strecke gen Norden ins Visier, eingedenk Karl Adam mit Station am Ratzeburger See, während ich mich auf den Weg Richtung Berlin mache. Für heute ist ein Treffen mit einem Freund aus nordfriesischen Tagen vorgesehen. Während ich mich von LWL aus auf den Weg mache, fährt er in Brieselang los. Er kommt mir ein Stückchen westlich von Kyritz an der Knatter auf der B5 entggen. Nach kurzer Begrüßung fahren wir in den Ort hinein und machen - Pause. Mittag ist es inzwischen geworden und also Zeit, Kraft mittels einer kleinen Mahlzeit zu schöpfen. Wieder draußen bei schönstem Sonnenschein auf dem breiten Fußweg am Marktplatz. Alfred, mein jetziger Mopped-Partner fährt auf seiner neuen schmucken Yamaha XV950R voraus und führt mich teils auf kurzweiligen Nebenstrecken nach Brieselang. U.a. kommen wir an einem Feld mit Kranichen vorbei, die sich dort den Wamst voll stopften. Für den Rest des Tages ließ ich mich verwöhnen und verdrängte die Aussicht auf den Folgetag. Der war nämlich vorausgesagt worden mit Regen und kühlen Temperaturen.

 

Am nächsten Morgen war es zunächst noch freundlich und blieb es auch für die erste Fahrtstunde. Übrigens wählte ich auch für die Rückfahrt die B5. Dabei fuhr ich die am Tag zuvor gezeigten Abzweigungen und siehe da: Ich fuhr durch Felder, die mit Tausenden (ungelogen) von Kranichen besetzt waren. Ich hielt an, um mir das genau anzusehen. Das war ein Zeichen für die Vögel, sich in die Lüfte zu erheben und ein Stück weiter zu fliegen. Der weitere Verlauf war dann sehr unerfreulich. Es wurde kalt und nass und ich war froh, als ich mich zuhause in Hamburg aus den feuchten Klamotten schälen konnte.

 

Am nächsten Tag waren die widrigen Bedingungen der Rückfahrt vergessen und geblieben waren die wunderschönen Eindrücke der diesjährigen Saison-Abchlusstour. Horrido. - oder:

                                      Tja, das war's mal wieder.

 

Der Abschnitt ab Woltersdorf noch mal im Detail, weil er so schön war: L259/L260 - Arendsee - L1 Gollendorf/Böhmenzien - alter Grenzübergang  nach Niedersachsen - kurz davor rechts ab auf dem Kontrollweg - Gedenkstätte Stresow - Straße nach Aulosen - L2 - B189 Wittenberge (B) - B195 Lenzen - L136/L07(M-V) - Deibow!!! - Milow L 08 - B5 Ludwigslust).

 

RumpelPumpelHollerie am Mi., 8.10.14, 17.58/26.10.2014, 17.39

 

Km-Stand 130.171 - 130.973 = 802 km

 

Der Poet

 

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