Holger’s Reise
 
Norge 19.8. (18.8.) - 24.8.2011
 
 
 
 
 
 
 
 
Do. - 18.8.2011 - 18.15 Abfahrt in Hamburg. 20.45 Uhr bis fast Flensburg, noch mal volltanken, morgen früh wird die Tanke wohl nicht schon geöffnet sein! 
Danach fahre ich weiter zu Plümms. 
Wenzel hat mir ein Nachtquartier angeboten, damit ich morgen nicht noch früher aufstehen muss, um rechtzeitig die Fähre zu erreichen.
So können wir gemeinsam starten.
 
Die Bande, Tom und Wenzel, ist gerade am Packen. Das dauert. Und zieht sich. Bleiben wir diesmal für ’nen Monat weg? Ich hab es ja erfolgreich hinter mir.
Bei mir ging es natürlich viel schneller…
Nach 2 Stunden haben die Jungs ihre geschätzten zwei Zentner verstaut. Gottseidank kommt zwischendurch Biker Michael und überbrückt die Längen mittels eines sowohl schmackhaften wie
auch wohltätigen Rums (aus dem Hause Johannsen in der Flensburger Marienstraße). Es hat übrigens angefangen zu nieseln.
 
Schließlich ist alles zufriedenstellend geordnet. Es geht rein, Häppchen essen, noch'n Schlückchen - beides drinnen am romantischen Küchentisch
- und ab in die Falle, ein paar Stunden schlafen.
Kurz danach (ca. ein viertel Stündchen später, finde ich), kommt Poltergeist Wenzel, um mich aus meiner Einschlafphase hoch zu schrecken.
 
Inzwischen ist es offenbar:
Fr. - 19.8.2011 - 6.15 Uhr. Los fahren wir bei Schmuddel. Aus Niesel wird kurz nach der Grenze ausgewachsener Regen.
Schlau, wie wir sind, entschließen wir uns dazu, unsere Regenpellen anzulegen.
 
Um es vorweg zu nehmen: Die Fahrt nach Hirtshals ist insofern wechselhaft, weil das Wetter ein ausgeglichenes Mix ist aus Regen und Starkregen mit Sturmböen.
Das bringt keinen Spaß, macht uns aber zu Heroen.
Um 11.00 Uhr müssen wir uns an der Fähre einfinden. Also holzen die drei tollen Biker gen Norden. - Um's kurz zu machen: wir schaffen es knapp, mit einer Pause,
in der wir erst das Wasser aus den Stiefeln kippen und dann ein Käffchen schlürfen.
 
Das folgende Prozedere auf der Fähre kennen wir inzwischen. Wir sind also unaufgeregt, tüddeln unsere Maschinen fest, lassen die Regensachen bei den Mopeds,
greifen uns die Werttaschen und entern den Speisesaal,um den Hunger zu stillen und den Durst. Heute gehen wir mal nicht raus - wir wissen ja, wie sich Regen anfühlt.
Selbst Tom, ausgewiesener Sauerstofffanatiker, beherrscht sich und verzichtet auf einen Rundgang. Wacker, Tom!!
 
Nach einer ruhigen Überfahrt landen wir in Kristiansand. Noch kurz tanken, dann geht es auf Tour. Wir möchten diesmal etwas höher in den Norden.
Deshalb haben wir uns vorgenommen,die vor uns liegende Strecke auf der Straße 9, die uns aus den vergangenen Touren bekannt ist, geschwind zu durchfahren.
Vielleicht 100 bis 150 km fahren, dann eine Hütte suchen.Bis dahin genießen wir trotzdem die etwas spröde Natur. Übrigens hat der Regen aufgehört.
Station machen wir schließlich in OSE gegenüber dem Wasserfall Reyerfossen in einer Hytte für 400 NOK.
Der Platz bietet 7 oder 8 feste Behausungen und ist mit wenigen Zelten und WoMos belegt.
Kurz nach uns belegen noch zwei andere deutsche Gruppen die beiden Hütten neben uns.
Ein kleiner Schnack mit ihnen bewegt die Stimmbänder und beendet unsere stundenlange Sprachlosigkeit auf den Böcken.
Der Tag verabschiedet sich mit einem Sonnenuntergang.Das entschädigt uns etwas für den Regenüberfluss.
Dann decken wir den Abendbrottisch auf unserer Veranda und genießen unsere erste Mahlzeit auf norwegischem Boden,
genießen dabei auch die herrliche Aussicht und das laute Rauschen des Wasserfalls. Is ja doch ein bisschen anders als Angeln.
Wir krönen den Imbiss mit einem Elixier und machen als Tagesabschluss noch eine Wanderung zum Teich
(oder war das etwa auch ein Fjord?) und hauen uns dann hin.
 
Platz und Hytte sind o.K. Toilette ein paar Schritte entfernt aber nachts beleuchtet. Duschkabinen im Haupthaus tadellos.
Und, ganz toll:Im Haupthaus sind drei Stiefeltrocknungsgebläse!!! Na, das finden besonders Tom und ich vorbildlich.
- Meine recht persönliche Meinung zum bisherigen Streckenverlauf ist ja, dass die Straße beschissen zu fahren ist,
weil sie nicht nur uneben und geflickt ist, sondern bisweilen auch Risse aufweist, die teilweise einem Schnittmuster ähneln.
Und das alles ist bei regennasser Fahrbahn unfreundlich zu fahren. Finde ich. Ja. Wenzel behauptet das Gegenteil.
 
Ups, plötzlich haben wir
Sa. 20.8.2011 - 600 NOK. Der Tag beginnt mit Sonne und endet mit Regen. Das nutzen wir natürlich, weil wir ja schlau sind.
Also wir frühstücken draußen - ist ja auch Sommer! Ein Genuss nach dem gestrigen Tag.
Danach befreien Wenzel und Tom eifrig ihre Motorräder vom Dreck des Vortages. Naja. Ich seh es pragmatisch. 's regnet ja eh wieder nachher.
Da nutz ich die Zeit lieber bei einer neuen Tasse Kaffee.
 
Nachdem wir uns gestärkt haben machen wir uns auf den Weg gen Norden, weiter auf der Straße 9. Zunehmend wird die Strecke kurviger
und weist kurz vor Haukeligrend einige Serpentinen auf: o la la!!!
Wir tanken, machen erst eine Pause und uns dann wieder auf den Weg.
Auf der E134 fahren wir weiter ein kleines Stück Richtung West, dann nach Norden.
 
Bereits auf der bisherigen Strecke habe ich bemerkt, dass die Norweger offenbar etwas gegen Biker haben (miese Straße, Ihr wisst noch?).
Anders ist es nicht zu verstehen, dass immer mehr Fahrbahnen begradigt werden,dabei breiter werden und als Krönung der Hinterhältigkeit
häufig mittels Tunnels total entschärft werden.
Igitt! So werden wir um das Vergnügen gebracht, diese wunderschönen Schwünge auszufahren auf diesen interessanten unebenen Belägen
(mit ihren Rissen und Scharten und Flicken). Ja, wo bleibt denn da der Reiz des Bikens auf den teils abenteuerlichen norwegischen Bahnen?!
Also. Ich finde ja die neuen Straßen beschissen.
Bisschen plünniger könnten sie schon sein … jedenfalls bei trockenem Wetter … Das zu diesem Thema
 
In Ulsnes, an der Straße Nr. 13, nehmen wir das heutige Quartier in einer Hütte auf einem kleinen Bauernhof.
Bis dahin haben wir nicht nur einen Regen-Qualitätstest hinter uns gebracht, sondern auch wunderschöne Eindrücke entlang dem ellenlangen Sörfjord gesammelt.
Unser Quartier besteht aus einer kleinen Hütte (400 NOK) für 2 Personen (1 Etagenbett und 1 Couch)
- wäre auch gegangen für 3 Pers. - und einer noch kleineren Hütte mit Doppelbett (200 NOK). Da haben wir ja vielleicht nicht die beste Unterkunft erwischt,
auf jeden Fall aber einen spannenden Standort.
Wir genießen den Blick auf drei Fjorde: links den langen Sörfjord, rechts den verschnörkelten Eidfjord und gegenüber den einmündenden gewaltigen Hardangerfjord.
 
Im Laufe des Tages hatte es übrigens angefangen zu regnen. Also die Pelle an. Gegen Abend ließ er etwas nach.
So konnten wir den Blick auf die Fjorde bei Trockenheit genießen.
 
So. 21.8.2011 - Dieser zweite Tag in Norge begrüßt uns … mit Regen, hört aber mit Sonne auf. Das schon mal vorweg.
 
Der allermutigste der 3 Mopetiere nutzte nach einer mäßig tollen Nacht (zu warm oder zu kalt oder irgendwas) die Außer-Haus-Küchen-Hightech-Dusche.
Das war ein Tageseinstieg, wie er besser nicht hätte sein können! Ich war begeistert.
 
Nach unserem hinlänglich bekannt köstlichen Frühstück im wohl temperierten Frühstücksraum packen wir unseren Kram zusammen
und verteilen ihn geschickt - wie wir nun mal sind - in unseren Taschen und Koffern.
Wir kurven gen Nord/Nordost Richtung Hardangervidda. In Eidfjord (liegt am Ende des gleichnamigen Fjordes) erblicken wir plötzlich das Traumschiff Aida Luna.
Ein schönes Fotomotiv und eine willkommene Pause. Danach führt uns die Straße Nr. 7 weiter ins Massiv hinein.
Von den Schönheiten diese Strecke bekomme ich wieder nur wenig mit, weil die kurvige Straße meine volle Aufmerksamkeit erfordert. Straße nass,
Visier Tropfen behangen, linker Fuß feucht … was soll das Gejammer. Spannend ist es allemal! Zwischendurch sind trotzdem einige beeindruckende Aussichten möglich.
Bei schönem Wetter würden wir jetzt … dann könnte man … sicher würden wir dann … und wenn, dann ……..
Dieses Panorama hätte einfach einige Foto- und Rundblickpausen verdient gehabt.
Gut, dann eben beim nächsten Mal.
Ach so, eine Pause haben wir ja gemacht! Bei einem Zwischenstopp begutachten wir den Vöringsfossen.
Jetzt im Sommer führt er nicht so viel Wasser - nach der Schmelze im Frühjahr muss das Ding gigantisch sein!
Trotzdem erzeugte der Wasserfall einen beachtlichen Geräuschpegel. Beeindruckend ist auf jeden Fall die Tiefe der Schlucht und die Steilheit.
Wie schon gesagt: in Angeln und Nordfriesland haben wir so was nicht.
 
Im Laufe der Weiterfahrt erreichen wir als höchsten Punkt 1.250 m. Dabei messen die umliegenden Gipfel durchaus bis zu knappe 2.000 Meter.
Da darf die Temperatur schon mal auf 6°, plus, fallen, tut sie denn auch.
Klar, Griffheizung ist was für Weicheier, trotzdem ist sie einfach genial!!
 
Wir fahren vorbei am Gletscher Hardangerjökulen weiter bis Geilo, einem bekannten Wintersportort in Norwegen.
Zumindest ich bin froh, dass der Niederschlag nicht weiß sondern in Form von Regen herunter kommt.
Das allerdings reichlich. Wir finden ein ausgesprochen bikerfreundliches Lokal, das die Pfützen toleriert,
die wir beim Betreten und Ausplünnen unserer Regenklamotten hinterlassen.
Nach einem lukullischen Mahl - norwegischem Standards - beschließen wir frohen Mutes und bester Laune zurück zu fahren.
Es regnet immer noch, aber hurra, viel weniger! So eine Tour definiert Dankbarkeit völlig neu.
Überhaupt Dankbarkeit: Kein Genöle in der Dreiertruppe, keine Klagen. Mag es auch noch so nass gewesen sein, das Trio war meist gut drauf.
Und dann noch dieses herrliche Tee-Shirt von Tom, dem Kurvengott, für mich, den Philosophen! Herrlich!
Da kamen bei Wenzel, dem Norwegische Elektriker, dann doch schon leichte Neidgefühle auf,
die er aber tapfer mit dem auch von Tom gestifteten, nicht minder herrlichen Reisebecher erfolgreich bekämpfte.
 
So, jetzt noch tanken und dann wieder zu Tale. Der Regen nimmt weiter ab. Und als wir Eidfjord passieren liegt dort die AIDA Luna zwar nicht mehr,
dafür aber die Ocean Countess (CMV), diesmal auf Reede.
Und als wir ein Stück weiter fahren gleitet die Marco Polo in den Fjord - traumhaft schön anzusehen. -
Ach ja: es ist derzeit gerade trocken und wir genießen das Norge-Sommer-Feeling.
Station machen wir nachdem wir das Infozentrum Hardangervidda hinter uns gelassen haben.
Der übernächste Hyttenplatz ist unser. Angeblich bekommen wir die letzte Hütte (390 NOK) auf dem Campingplatz Säbö.
Hat zwar keine überdachte Veranda, dafür aber Sonne am Abend. Putzig sind die geschätzten 578 Spatzen,
die offenbar auf den Bezug der Hütte gewahrt haben und uns begrüßen.
Aufmerksam verfolgen sie aus nächster Nähe unsere Packerei und sind dann etwas enttäuscht, weil nichts für sie abfällt.
Mit uns hat u.a. ein sympathisches gemischtes Bikerpaar aus Böblingen eingecheckt
- beide auf ner BWM - mit dem wir ein Stündchen schwatzen und Erfahrungen austauschen.
 
Mo. 22.8.2011 - 500 NOK. Es ist zum Zeitpunkt des Aufbruchs noch trocken und wir können tatsächlich ein paar km Kurvenstrecke genießen.
Auf einem Fjord-Rastplatz machen wir eine kurze Pause, u.a. um unsere Taschen/Koffer zu entlasten.
Bei der Gelegenheit erfährt Wenzel von einem Ureinwohner etwas über die vor uns liegende Strecke entlang der Nordsee.
Wahrscheinlich sind auch die folgenden Tunnel, wie bisher, für uns Biker frei zu benutzen und auch die Brücken sind für uns nicht mautpflichtig.
Das bedeutet, dass uns nur die eine Fähre Gebühren abverlangt. Das ist schön zu hören.
 
Nachdem wir genügend Zeit verplempert haben,ist es inzwischen wieder Zeit,
die Regenpelle anzulegen, denn - richtig: es regnet wieder.
Weiter geht es auf der 13 runter bis Skate, dort wenden wir uns auf der E134 nach Westen,
Richtung Haugesund. Unser Ziel ist der Nordsjoevegen.
Eine Straße, die recht parallel an der Nordseeküste entlang führt. Es ist trockener geworden.
Kurvengenuss ist angesagt. Aber es ist jetzt auch nicht mehr das kantige,
spröde Norwegen mit seinen steil abfallenden Gebirgswänden,
das wir passieren, sondern eine etwas lieblichere Gegend.
Trotzdem sind ausreichend Kurven vorhanden und so wedeln wir Drei so'n bisschen vor uns hin.
Kurz vor Haugesund wechseln wir auf die E39
und fahren nach Süden bis wir in Arsvaogen auf eine Fähre (87 NOK) wechseln
und drüben Richtung Starvanger weiterfahren.
Ab jetzt suchen wir ein annehmbares Quartier. Für heute is gut.
 
Vor Starvanger biegen wir Richtung Tananger ab und sind dann schon auf dem Nordseeweg. Quartier nehmen wir auf dem Campingplatz Bore Bore Strand.
Letzte Hütte für 600 NOK. Viel Geld, aber die Einrichtung rechtfertigt den Preis.
Allerdings ist auch hier das Klo 20 Schritte entfernt. Also ein Bier weniger trinken. Dafür befindet sich die Anlage dicht am Strand.
Dorthin gehen wir denn auch noch, aber erst nach dem Abendbrot. Relaxen am Strand ist angesagt.
Wir genießen die geräuschvolle Brandung und die Aussicht auf die meerwärts fahrende AIDA LUNA - jawohl sie ist es.
Wenzel kann mit seinem Fernglas den bunten Schiffsrumpf erkennen. Das Schiff, das wir vorgestern in Eidfjord noch gesehen haben.
Außerdem liegen 2 km seewärts zwei hochwandige Tanker vor Anker, leer wohl. Vielleicht warten sie auf Ladung? Ist uns jetzt mal so was von egal.
Wir genießen immer noch die Trockenheit, das Schlückchen Whisky und die Gewissheit, uns gleich auf dem Bett lang machen zu können.
 
Seit einiger Zeit war das Rasseln an meiner Maschine nicht mehr zu überhören. Es war wohl doch Zeit einzugreifen.
Und so hatte ich vor dem Essen den Reviervogt nach einem 24er Schlüssel und einem Hammer gefragt.
Er versteht mich nicht nur (!), sondern macht sich auch sofort auf den Weg, um 7 Minuten später mit Ratsche,
Nuss und Hammer zurück zu kommen. Toller Mann.
Schnell ist die Kette gespannt und als Belohnung für mich folgen Essen und Trinken von Wenzel mit immerhin zwei Gängen angerichtet
- wie gehabt äußerst kulinarisch, besonders meines.
 
 
 
Der Kreis schließt sich allmählich, wir haben nämlich bereits
Di. 23.8.2011 - und Sonne. Sonne? Sonne!!!
 
Tatsächlich weckt uns ein blauer Himmel. Wir sind einigermaßen fassungslos. So flott sind wir auf der ganzen Tour noch nicht aus den Kunstfedern gekommen!
Aufgestanden, gewaschen und auf unsere delikaten Frühstücksutensilien gestürzt.
Dann packen wir, akkurat und flott wie immer (diesmal deutlich unter 2 Stunden). Dann besuchen wir noch mal den breiten, schönen Strand, genießen die Luft,
den milden Seewind und auch die Wärme. Gönnen uns eine kurzes Verweilen im Sand.
Tja, so lässt es sich aushalten. Endlich ein Sommertag.
 
Wir verabschieden uns bei dem netten Platzteam und kurven von dannen. Auf der Hauptstraße - Nr. 507 - angekommen wenden wir unsere Maschinen nach Süden,
entlang der Küste auf dem Nordsjoevegen.
Und tatsächlich. Lange Abschnitte kurven wir in Sichtweite der Nordsee, teilweise in Griffnähe. Diese Tagestour entschädigt etwas für die vergangenen Regentage.
Immer wieder sind kurvige Streckenabschnitte dabei, die uns vergessen lassen, was wir alles wegen des Wetters nicht gesehen haben. Heute ist es eine Lust zu fahren!
 
Es fällt mir wieder ein, warum Moped fahren auch schön ist: wegen der 1.000 Düfte, die einem ab einer höheren Temperatur beim Cruisen durch unberührte,
zumindest geschonte Natur, in die Nase steigen.
Auch 'ne Art Rausch. Immer wieder lecker. Und offenbar nicht nur im Süden zu schnuppern, sondern auch im hohen Norden.
Überall dort, wo sich extensive Bodennutzung nicht lohnt, kann sich das Kraut halten und jenseits der 20° heftigst vor sich duften.
 
Inzwischen ist mir eingefallen, was mir unterwegs auf der Nordseestraße so saugut gefallen hat, u.a., es waren die Steinwälle. Ja, waren wir etwas in Schottland gelandet?
Es mutete bisweilen so an. Nett.
 
Am Jössingfjorden legen wir eine Pause ein. Wir haben 1. Zeit genug, 2. hat ein Mitglied einen toten Punkt erreicht, 3. befindet sich hier ein Denkmal:
Im 2. Weltkrieg war hier in diesem Fjord ein deutsches Versorgungsschiff versteckt mit zweihundertirgendwas engl. Gefangenen an Bord.
Englische Soldaten befreiten ihre Leute. 8 Deutsche fielen.
Nun stehen dort Informationsschilder auf dem Parkplatz und auf der Aussichtsplattform direkt an der Fjordkante ein englischer Gedenkstein. "Altmark" hieß der Versorger.
 
Seit geraumer Zeit befahren wir die Straße Nr. 44, die uns lobenswerter Weise in die schnuckelige Stadt Flekkefjord führt. Dort gönnen wir den Mopeds eine Pause,
während wir am Kaffeetisch weiter an unserer gemeinsamen nahen Zukunft arbeiten.
- Hier sitzen wir direkt am Wasser des Sundes, der den Flekke- mit dem Grisefjord verbindet. Wohlige Sonnenwärme,
Betriebsamkeit auf dem Wasser und an den Nebentischen … stundenlang könnte ich es hier aushalten.
Im Ort übernachten, den lieben langen Tag in voller Länge rundum faul genießen. Einfach rundum schön. So schlecht haben wir es denn doch nicht…
 
Aber der Terminplan ruft zur Ordnung und so brechen wir auf, um den Rest der Strecke auf der E39 zurück zu legen. Gegen Abend kommen wir in Sögne an,
finden eine Hütte in unmittelbarer Strandnähe (600 NOK) und nehmen schon mal Abschied von Norwegen.
Morgen früh machen wir uns eh flott vom Acker, um die Fähre zu erreichen. Bevor es Abend, wird fällt mir ein, nach dem Öl zu schauen -
und siehe da: viel ist da nicht mehr drin.
Ich fülle nach, was ich so bei mir habe und hoffe, dass meine Nachlässigkeit nicht zu Dauerschäden am Motor führt. Wenzel hebt den Zeigefinger,
weil ich angeblich schon mal so luschig war. Vielleicht hat er ja Recht.
 
Mi. 24.8.2011 - 5.15 bimmelt der Wecker. Unser erster Blick gilt dem Wetter. Sagen wir mal so: Wir wären traurig gewesen,
wenn heute am Abreisetag die Sonne geschienen hätte.
So fällt uns der Aufbruch etwas leichter. Regenkombi angezerrt (Tom hat ein sperrige Vollpelle), gesattelt und unseren Stahlrössern die Sporen gegeben.
Nach 20 km sind wir rechtzeitig, noch vor 7.00 Uhr, am Fährterminal.
Ein kurzer Plausch mit einem italienischen Paar auf einer RT1200. Aus Rom kommen sie - oder war's Venedig und er arbeitet nur in Rom? Jedenfalls von weit weg.
Und ohne Reisezug. Donnerwetter und alle Achtung!
- Dann das Übliche. In den Bauch der SuperSpeed 1 fahren, Maschinen sichern und das Restaurant aufsuchen.
Etwas träumen, plauschen, futtern, Wehmut pflegen und warten auf die Ankunft in Hirtshals.
 
Der Regen hat nachgelassen. Zunehmend wird es auf dem Weg nach Süden trockener.
Am Ende begleitet uns ab der Mitte Dänemarks für den Rest der Reise die Sonne, mit zunehmend wärmeren Temperaturen - eklig warm.
Nichts für uns, eher was für Weicheier.
 
Bannig gespannt sind wir ja auf das Wetter im nächsten Jahr, wenn wir uns wieder auf den Weg machen zur
Norgetour - 2012 -

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