Reisebericht Tom
 
 
Eine Motorradreise im Herbst durch Norwegen?

 
 
Bevor der Herbst so richtig zuschlägt mit seinen Grog-Tagen, an denen man lieber in das wärmende Feuer eines Kamins schaut und einen heißen Tee mit Rum trinkt, wollten wir zwei es noch mal wissen. In Norwegen ist die „Saison„ eigentlich am 15. August vorbei!
Unsere Reise dauerte vom 19 – 24 August … und wir wurden für unseren Mut reichlich belohnt. Früh morgens um 06.00 Uhr starteten unsere zwei Maschinen und schon 10 Minuten später hatten wir die Deutsch – Dänische Grenze auf der Autobahn hinter uns gelassen. Ein wunderschöner Morgen : Blauer Himmel mit nur wenigen Wolken , kaum Verkehr und dem wohligen Sound des brummigen Twins zwischen den Beinen . In der nächsten Stunde hatte ich manchmal ein wahres Hochgefühl: Das ist es! Whow! Wir haben es mal wieder geschafft! Jeder sollte seine persönliche „ Löffelliste „ (…was will ich noch machen, bevor ich den Löffel abgebe?) bei Zeiten beginnen, abzuarbeiten. Biken in Skandinavien gehört mit Sicherheit dazu!
Ca. 1 Stunde vor Erreichen unseres Fährhafens Hirtshals im Norden Dänemarks zog es zu und wir uns um. Bei leichtem Regen fuhren wir als erste Biker auf die riesige neue Fähre der Color – Line und wir waren nicht allein , denn es folgten 6 weitere unerschrockene Biker z.B. auch aus den Niederlanden u. Östereich ! Das „Anschnallen „ an Deck zeigt den erfahrenen Fährenbenutzers und mal kann bei den Sozias Punkten ! Die Fähren sind n’e Wucht! Essen , Einkaufen, Schlafen … Erholung pur ! So kann die Reise beginnen! Nach 2 ,5 Stunden über das Skagerrak in Nordwestlicher Richtung erreichen wir Kristiansand. Da es noch immer tröpfelt entschließen wir uns, i n der Nähe der Küste eine Bleibe zu suchen. Wir wollen es ruhig angehen und folgen dem viel versprechenden Nordsevej bis nach Soegne und landen bei Synnoeve Herlofsen in der „Skipperloftet“. Eine urgemütliche Bleibe mit allem, was das Herz begehrt . Nach einer ausgiebigen Dusche machen wir uns „landfein“ und wandern an den 10 Min. entfernten Strand . Hier genießen wir die abendliche Stimmung und sehen die Sonne in der Nordsee untergehen.
Abends gibt es ein zünftiges Abendessen u. ein Bierchen und als Nachttrunk den obligatorischen Whisky. 
Am nächsten Morgen : Sonne ! Synnoeve verabschiedet uns und wir folgen über eine traumhafte Brücke der E 39 Richtung Mandal , um kurz dana ch auf die 460 bei Vigeland abzubiegen. Wir wollen zum Leuchtturm Lindesnes fyr . Eine tolle Strecke und ein Leuc htturm in einer rauen Umgebung mit einem weiten Blick von der Aussichtsplattform über das Umland und die Nordsee. Von hier oben sehen die Fischerboote aus wie Spielzeug. Die Männer da unten haben ordentlich zu kämpfen! Ein Schild ze ig t: 2500 km bis zum Nordkap! Weiter geht’ s zum nächsten Leuchtturm. Wir folgen der kurvigen und hügeligen Strecke an den Listafjorden zum Listafyr.
Dieser ist leider geschlossen (15.Aug. Ende der Saison !) und das Wetter hat sich schlagartig von der Nordsee kommend verschlechtert. W eiter Richtung Liknes / Flekkefjord im Regen.

Wir finde n scho n bald am Drangsfjord ein rotes Angler-Ferienhaus direkt am Fjord ! Wir können vor der Hütte sitzend in den Fjord spucken! Der junge Platzbetreiber spricht perfektes Deutsch. Er erzählt uns, dass seine Mutter im letzen Winter bei einem Unwetter den Weg zurück zum Haus nicht mehr gefunden hat und am nächsten Tag erfroren in der Nähe des Hause s gefunden wu rde. In der nächsten Woche will er erst mal weg: ein paar Tage nach New York mit seiner jungen Freundin. Wir beschließe n d en Tag vor der Hütte sitzend, schauen auf den düsteren, regenverhangenen Drangsfjord und schlürfen genussvoll unseren Whisky. Wenzel stilvoll aus einem echten Kuhhorn ! Ein echter Wikinger .. na ja ein wenig!
Der folgende Tag emp fängt uns mit strahlendem Sonnenschein und einem herrlichen Blick übe r den Drangsfjord. Beschwingt und erwartungsvoll satteln wir unsere „Böcke“, um über die E39 Richtung Flekkefjord weiter gen Norden zu kommen. Wenzel war schon öfter hier oben und so genieße ich das Hinterhergondeln und schaue nur manchmal auf den Navi, um zu sehen wo wir gerade sind. In Flekkefjord parken wir am Hafen und schlendern anschließend durch die „hölzerne“ Stadt mit ihren farbenfrohen Blumenaushängen. Im Stadtkern sitzen wir am Hafen in einem Außencafe und genießen Milchkaffee zusammen mit einem warmen Apfelstrudel mit Sahne und Vanilleeis…und schauen den nordischen Schönheiten hint erher. Dann geht’s weiter durch eine Vielzahl von Tunnels am Landevatnet ( Langes Gewässer ) Richtung Stavanger. Weit vor Stavanger geht es runter von der E39 auf die 502 und setzen bei Forsand mit der Fähre rüber nach Oanes. Kurz danach legen wir einen Stopp ein. In einem Cafe am Fjord gönnen wir uns ein leckeres Lachsbrötchen mit Kaffee und schauen über den Fjord, der von einer eleganten Brücke überspannt wird. Danach führt uns die 13 nach Joerpeland. Hier überqueren wir den Oesenfjorden mit einer Fähre und folgen der kurvigen Strecke durch eine Vielzahl von Tunneln nach Neswik. Toller Streckenverlauf, schönstes Wetter . Manchmal führt der Navi uns durch Wälder mit Schotterstraßen und ich frage mich, ob wir noch richtig sind. Doch unsere Reise - Enduros ( beide Kawasaki Versys ) meistern auch die Straßen abseits des Asphalts prima. Auf der Suche nach unserer nächsten Bleibe finden wir an einem Fluss in der Nähe von Suldal ein weißes Holzhaus, dass von einem Landwirt vermietet wird. Er spricht deutsch ist uns Bikern wohlgesonnen und Wenzel gelingt es, mit Charme den Preis um 50 Kronen herunter zu handeln. Nachdem das verstopfte Klo wieder seinen Dienst tut, entschließen wir uns, auf die in der Nähe liegende Tanke zu fahren, denn dort gibt es Burger! Die Tanke selbst hat wohl schon bessere Zeiten gesehen, aber die Burger sind klasse! Der folgende Tag ist wettermäßig durchwachsen. Wir entschließen uns frühzeitig für die Regenkombis, denn es geht an Schneeresten vorbei ins Hochgebirge. Die Fahrt geht flott voran und bald erreichen wir den Rikswej 9. Das Wetter wird immer besser und wir entscheiden im forschen Ritt gen Süden Richtung Kristiansand zu düsen. Da wir dort unten bei Fru Synnoeve Herlofsen eine komfortable Unterkunft hatten, und wir ihr Kärtchen dabei haben, rufen wir sie an. Sie freut sch auf die „German bikers“! Angekommen erwartet uns eine Platte mit selbstgemachtem Kuchen und einem heißen Kaffee. Sie selbst ist nicht da, die Hütte für uns jedoch offen und an dem Kuchen ist ein Zettel: „ Grüss Synnoeve to the german bikers „! So soll es sein! Wir genießen den Luxus mit heißer Dusche, Trockner und gemütlichem Holzambiente. Nach einem ausgiebigen Strandspaziergang gibt’s noch einen Whisky und ab in die Koje. Der nächste Morgen führt uns bei schönstem Wetter wieder Richtung Westen an den Jossingfjord. Hier steht eine Gedenktafel, denn der deutsche Versorger „Altmark„ wurde hier am 16.Feb. 1940 durch den britischen Zerstörer „Cossak“ aufgebracht und versenkt. Ein wenig weiter befinden sich zwei ca. 200 Jahre alte Holzhäuser, die noch bis vor wenigen Jahren bewohnt wurden. Sie stehen unter einem sie überdachenden gewaltigen Felsmassiv, dass ihnen und den Bewohnern Schutz bot. Auf uns wirkt es beeindruckend und bedrohlich!
Auf dem Rückweg finden wir uns wieder im Fjordstädtchen Flekkefjord. Am Hafen genießen wir diesmal lecker auf Italienisch. Wir lassen uns die letzten Tage nochmals durch den Kopf gehen… unglaublich viele Eindrücke, über 1900 km über tolle Straßen, vorbei an Schluchten, über Brücken durch Tunnels, Begegnungen mit freundlichen Menschen. Zum Glück habe ich immer wieder fotografiert, dann kann man sich hinterher besser erinnern! Morgen geht’s auf die Fähre und dann Heim. Die Rückfahrt gestaltet sich jedoch schwieriger als angenommen. Ein ausgewachsener Weststurm kommt über die Nordsee und baut eine kräftige See auf. Darauf entschließt sich der Kapitän den Hafen Hirtshals nicht anzulaufen, da die See direkt auf die Hafeneinfahrt steht. Er lässt uns über Lautsprecher wissen, dass wir den in Landabdeckung im Osten gelegenen Fährhafen „Frederikshavn“ anlaufen. Man glaubt es kaum: Die gleichen Reisenden, die gerade noch „abfahrtbereit“ waren, stürzen sich sofort wieder in die Cafeteria als wären sie dem Verhungern nahe! So werden aus 3 Stunden zum Schluss 7,5 Stunden Seefahrt. Auch die Rückfahrt über die Autobahn hat es in sich. Wir werden ordentlich gefordert, denn der Sturm kommt von der Seite und es regnet in Strömen. Wir fahren zurückhaltend, um von dem Sturm nicht auf die andere Fahrbahn gedrückt zu werden. Nach ca. 50 km wird es langsam besser. Uns Biker haut’s nicht um. Zufrieden und ein wenig erschöpft überqueren wir gegen 19:30 die dänische Grenze und fallen 15 Min. später in Flensburg ein.
 
(siehe auch die Fotos unter Fotos)

 
 
 
 

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