Ein fast nüchterner Reisebericht von Wenzel,
dem "norwegischen Elektriker"

Doch wieder Harz oder einmal ein richtiges Abenteuer mit 
unvergleichlichen Eindrücken? 
Wer sich als  Motorradfahrer aus Schleswig-Holstein oder Hamburg 
mal fünf bis sechs Tage Zeit nehmen will, um eine spannende Ferntour 
ins Gebirge zu starten, der kommt um Norwegen nicht herum. 
Die Anreise ist in Kilometern gerechnet fast gleich lang. 
Um die 400 bis 480 Kilometer. Klar, wer nach Norwegen will, 
der muss über den rund 100 Kilometer breiten Skagerrak.



Das übernehmen dann vom
norddänischen Hirtshals aus
sehr
bequem die hochmodernen
Schnellfähren der ColorLine.
Nach gut dreistündiger Fahrt
mit allem Komfort ist man gegen
16
Uhr in Kristiansand
au
f norwegischem Boden.


 

Das Abenteuer kann beginnen. Und das, was dann Südnorwegen 
an landschaftlichen Superlativen bereithält, verschlägt nicht 
nur Bikern die Sprache. 
Von den oft geradezu dramatischen Streckenführungen 
bis hoch über die Schneegrenze und dann wieder steil hinab zu den
Meeresfjorden ganz zu schweigen. Norwegen ist Bikerland. 
Hinter jeder der unzähligen Kurven erwarteten die Reisenden 
neue Eindrücke. Die Naturist hier sehr nahe, sehr mächtig. 
Vieles erinnert an die Alpen, jedoch ist die Schneegrenze 
1000 Meter tiefer.


Mancher hat Probleme, all diese Impressionen zu  verdauen. 
Umso besser versteht man nun die norwegischen Komponisten wie
Grieg und Svendsen oder den Jazz-Musiker Ketil Björnstad. 
Alle stark von der nordischen Natur beeinflusst. Wählt man zudem 
als Reisemonate Mai, Juni oder August, dann hat man in diesem
riesigen, oft menschenleeren  Land mit seinen mal gerade 
4,9 Millionen Einwohnern die Straßen fast für sich alleine. 
Gleiches gilt für die zahlreichen einfachen Hütten, 
in denen Reisende ohne großartige Voranmeldung für norwegische 
Verhältnissekostengünstig (meist 25 bis 100 Euro für 4 Betten) 
die Nacht verbringen können. 
Schlafsack nicht vergessen.
„Ledige Hytte" verkünden dann fröhlich Schilder am Straßenrand. 
Wer würde da nicht anhalten...Juli ist Hauptsaison in Norwegen. 
Dann kann es schon etwas enger werden. Das Wetter in diesem 
sehr bergigen Land ist besser als sein Ruf. Im Mai 2010 
beispielsweise, als im grauen Norddeutschland keinerlei 
Frühlingsgefühle aufkommen konnten, 
schien in Norwegen wochenlang bei 15 bis 20 Grad 
die Sonne. Bei solchen Wetterverhältnissen sind auch mit dem Motorrad 
größere Strecken drin. Trotzdem darf Regenkleidung nicht fehlen.
An sechs, genauer an fünfeinhalb Reisetagen sind insgesamt 
locker 2000 Kilometer möglich, ohne zu hetzen. 
Das geht in Norwegen ohnehin nicht. 
Als nördlichster Punkt bei dieser Tour empfiehlt sich Kinsarvik am
Sörfjord, einem Arm des gewaltigen Hardangerfjords, gegenüber des
riesigen Folgefonn-Gletschers, der über dem Fjord thront. Dabei
erlauben die meist sehr schmalen aber gut asphaltierten Straßen in
Norwegen häufig nicht einmal die erlaubte 
Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. 
Zu kurvig, zu steil sind oft selbst Hauptverkehrsstrecken. 
Umso mehr Spaß haben Biker. 
Und der beginnt bereits unmittelbar direkt nach der Ankunft im
Fährhafen Kristiansand gegen 16 Uhr. Dann ist noch genügend Zeit,
einige Stunden ins Landesinnere zu kurven. 
Um weiter in Richtung Norden zu kommen, bietet sich die 
malerische Fernverkehrsstraße Riksveg 9 an.
Gute Übernachtungsmöglichkeiten in eher komfortablen 
wenn auch teureren Hüttenempfehlen  sich nach gut 
120 Kilometern bei Nomeland.
Ist das Wetter am nächsten Tag gut, dann kommen Biker 
kaum um einen etwas längeren Abstecher 
(insgesamt sechs bis acht Stunden)  über das auch
im Sommer mit viel Schnee garnierte Hochgebirge 
Sirdalsheiane zum Dörfchen Lyse am 
letzten Ende des Lysefjords vorbei. 
Schon die Fahrt bis zum eigentlichen Highlight, 
dem Beginn des fast 1000 Meter tiefen Abstiegs
mit dramatischen Serpentinen auf engstem Raum runter  
zum Fjord, ist einfach nur atemberaubend. 
Die Serpentinen werden selbst im Tunnel fortgesetzt.


Erfahrene Norwegen-Biker  wiederholen diesen Abstecher 
bei jeder ihrer Nord-Touren.
Lyse wird immer mehr zum Biker-Kult.
Zurück geht es zum Riksveg 9 und weiter nach Haukeligrend,
wo nach weiteren acht Kilometern Richtung Odda ein 
gemütliches Miethütten-Dorf zu Füßen von schneebedeckten 
Bergen an einem See zum Übernachten einlädt. 
Weiter geht die Fahrt am nächsten Tag Richtung Odda über 
Hochgebirgsstraßen, durch kilometerlange Tunnel und direkt 
vorbei an Schnee bedeckten Gipfeln und glitzernden Eis-Seen. 
Bäume sind in diesem rauen Klima nicht zu sehen. 
Am nördlichster Punkt bei dieser Tour warten bei Kinsarvik am 
Sörfjord gemütliche Hütten. 
Zurück geht es dann wieder über Odda und Haukeligrend nach 
Rjukan, wegen der steilen Berge ringsherum die  
schattigste Stadt Norwegens. 
Hier fanden im II. Weltkrieg schwere Kämpfe zwischen der  
deutschen Besatzungsmacht und den  Alliierten wegen des hier  
produzierten Schweren Wassers statt. 
Schweres Wasser braucht man zum Bau von Atombomben... 
Der Besuch des Kriegsmuseums empfiehlt sich.
Direkt von Rjukan aus geht es  wieder südlich quer  durchs Gebirge, 
vorbei am knapp 2000 Meter hohen Gaustatoppen durch eine 
überirdische Landschaft nach Eidstod und schließlich Kristiansand. 
Hier  startet am nächsten Morgen um 8 Uhr die Fähre zurück ins 
dänische Hirthals.
Leute, wer sich diese Tour zutraut, der kann noch seinen 
Urenkeln davon erzählen...

(siehe auch die Fotos unter Fotos)
 
Wenzel´s Reise.
 

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